|
FSK: 12 Länge: 119 min Altersempfehlung: ab 14 Jahren Schulunterricht: ab 9. Klasse
Verleih Tobis Film WEITERFÜHRENDE LINKS:
|
Rom im Jahr 1946: Mit unzähligen Aushilfsjobs hält Delia ihre Familie über Wasser und lässt klaglos die routinierten Schläge und Demütigungen ihres Ehemanns über sich ergehen. Ihre größte Hoffnung ist, dass es ihren drei Kindern eines Tages besser geht: besonders ihrer erwachsenen Tochter Marcella, die kurz vor der Verlobung mit dem Sohn eines wohlhabenden Unternehmers steht. Als Delia einen geheimnisvollen Brief erhält, den sie vor ihrer Familie versteckt, scheint sich etwas in ihr zu verändern. Ob sich darin ein Ausweg aus ihrer Situation befindet?
Den Alltag in einem römischen Arbeiter*innenviertel kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs fängt MORGEN IST AUCH NOCH EIN TAG in kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bildern ein. Regisseurin (und Hauptdarstellerin) Paola Cortellesi bezieht sich stilistisch und inhaltlich auf den italienischen Neorealismus, der in den 1940er- und 50er-Jahren mit Filmen wie Roberto Rossellinis ROM, OFFENE STADT (1945) oder Vittorio de Sicas FAHRRADDIEBE (1948) die soziale Realität der Arbeiter*innenklasse ins Zentrum seiner Erzählungen rückte. Gleichzeitig bricht der Film an vielen Stellen mit seiner quasi-dokumentarischen Erzählform: So inszeniert Cortellesi Szenen häuslicher Gewalt als Tanzchoreografien, während Delias Momente des Ausbruchs und der Rebellion von anachronistischer Pop-Musik begleitet werden. Dem Film gelingt es, ihre Geschichte mit einer Leichtigkeit und einem lakonischen Humor zu erzählen, die aber nie die Ernsthaftigkeit ihrer Situation untergraben, sondern sie im Gegenteil geradezu hervorheben. Delias persönliche Emanzipation verknüpft der Film auch mit den parallel stattfindenden politisch-gesellschaftlichen Umbrüchen: Denn ihr sorgfältig gehüteter Brief enthält, wie sich schließlich zeigt, ihre Unterlagen für die erste italienische Parlamentswahl, in der auch Frauen abstimmen dürfen. In einer ergreifenden Schlusssequenz wird klar, dass Delias Leben kein Einzelschicksal ist – und nur Gemeinschaft und Solidarität den Weg in eine bessere Zukunft ebnen können. Thema: Demokratie, Feminismus, Emanzipation, Familie, Gender/Geschlechterrollen, Geschichte, Filmgeschichte Unterrichtsfächer: Italienisch, Deutsch, Kunst, Musik, Darstellendes Spiel, Theater, Religion, Ethik, Lebenskunde, Geschichte, Sozialwissenschaften/Wirtschaftswissenschaften, Politische Bildung
» ausgebucht |